Hinweis: Sie sind herzlich zur Teilnahme an unserer Umfrage zum Relaunch der LVN-Webseite eingeladen: relaunch.lvnordrhein.de

Leichtathletik-Verband Nordrhein

Der morbide „Charme“ Letzter werden zu können oder: Eindrücke von den LVN-Seniorenmeisterschaften in Krefeld

Zunächst etwas zu den Eindrücken: Krefeld hat genau so viel Spaß gemacht wie im letzten Jahr Essen-Stoppenberg oder davor Aachen. Die große Heerschar der Kampfrichter und Helfer - allen voran die Abgesandten von der Zentrale in Duisburg – hat hervorragende Arbeit geleistet – auch schon in der Vorbereitung der Wettkampfstätten.

Da ich selbst auch als Kampfrichter gelegentlich tätig bin, konnte ich Vergleiche anstellen und bin zu dem Ergebnis gekommen: alle Verantwortlichen haben es den teilnehmenden Sportlern sehr leicht gemacht.

 

Wenn dann schon mal Urkunden mit falschen Ergebnissen ausgedruckt werden, ist das nur ein minimaler Schönheitsfehler.

Manchen Fussball-Verrückten in meinem Bekanntenkreis erzähle ich davon, wie aufwendig Leichtathletik ist, und dass man diese antike Sportart hegen und pflegen sollte – auch mit Hilfe von Fußball-Funktionären bzw. – Verbänden. Denn wenn es nur noch Fußball gibt, dann ist es mit der Sportvielfalt zu Ende; und FIFA, UEFA und auch der deutsche Fußballverband werden noch unmoralischer handeln als bisher.

 

Ich hatte mich in fünf Disziplinen in meiner Altersklasse M 75 angemeldet: 100m, 200m, Weitsprung, Kugelstoßen und Speerwurf.

Mit dem Speer fing es an; die Sonne leistete tolle Ergebnisse – will sagen: mir war es schon um 10 Uhr zu warm. Das gesetzte Ziel habe ich erreicht: ich kam knapp über 15 Meter und wurde Vierter.

Im anschließenden 100-Meter-Lauf wollte ich unter 19 sec. bleiben bzw. eine relativ schlechte Zeit aus den Vorjahren unterbieten. Hat nicht geklappt ! Aber ich wurde Dritter.

 

Kugelstoßen und Weitsprung fanden praktisch zur gleichen Zeit statt – ein Problem, wenn man schnell die „Fußummantelung“ wechseln muss bzw. der Anlauf zum Absprung nicht richtig ausgemessen werden kann. Das Kugelstoßen brachte mich auf Platz 2, der Weitsprung auf Platz 3.

 

Beim abschließenden 200-Meter-Lauf dachte ich zunächst an Absage, weil die Hitze zumindest für mich unerträglich schien. Nach knapp 100 Metern stieg links vor mir jemand aus dem Feld aus Richtung Rasenfläche, und mein Gehirn hatte Gleiches vor. Bei 150 Metern wollte ich schon austrudeln lassen, als mich Herbert Bander mit einem lauten Ruf anfeuerte, gefälligst bis ins Ziel zu laufen. Schon wider Dritter !

Aber die exakte und ehrliche Wahrheit lautet: in allen Wettbewerben wurde ich Letzter.

 

Erste Erkenntnis daraus: fünfmal starten zu wollen, ist einfach zu viel für eine 76-Jährigen. Beim nächsten Mal lautet die Devise: weniger ist mehr.

Zweite Erfahrung: der Kreis der Teilnehmer in meiner Altersklasse ist im Vergleich zu M 65 oder M 70 um fast 50 % zurückgegangen. Wenn darunter Sportler sind bzw. waren, die schon mal einen schlechteren Tag als ich erwischen, wird die Chance nicht Letzter zu werden, deutlich geringer.

 

Dritte , damit finale und wichtigste Erkenntnis: wenn ich nicht Letzter werde, dann wird es eben jemand anders. Dieser Andere wird sich dann möglicherweise furchtbar ärgern. Am Beispiel Kugelstoßen wird mein Gedanke noch transparenter: wenn ich nicht gestartet wäre, dann hätte es nur einen Teilnehmer gegeben; der wäre dann Erster und gleichzeitig auch letzter geworden. Wie soll man das zuhause erklären ?

Somit lautet das Fazit für mich: auch der Letzte im Feld hat eine wichtige Funktion und wird damit unentbehrlich.

 

In diesem Zusammenhang gibt es für mich – alle mal genau hinhören – eine wichtige Bremse: sollte ich in einem Jahr in irgendeiner Disziplin in der so sehr geschätzten Leichtathletik-Datenbank auf dem letzten Platz landen, findet diese Disziplin im darauf folgenden Jahr nicht mehr mit mir statt.

 

Einen Ausweg aus diesem furchtbaren Dilemma habe ich mir voraus schauend schon ausgedacht: ich werde mir etwas Neues aussuchen – vielleicht Diskus-Werfen.

Herbert, Du wirst das wohl gut finden, oder etwa nicht ?

 

Hans W. Porschen, LAV Habbelrath-Grefrath | Geändert: Donnerstag, 29 Juni 2017 07:09

Senioren